John Dewey (1859-1952)

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"we live not in a settled an finished world, but in one which is going on" (Dewey zit.n.[7] S. 127)

Biographisches:
John Dewey. Quelle: http://www.socsci.kun.nl/ped/whp/histeduc/misc/dewey01.htmlJohn Dewey (1859-1952) ist einer der bekanntesten Vertreter der Progressive Education
(Von vielen wurde und wird Dewey als der Begründer der Progressive Education gesehen; Dewey selbst weiste dies immer wieder zurück und nennt mit einem Verweis auf die Bedeutung von F. W. Parkers Arbeit ihn als den "father of progressive education". (Vgl. [16] S. 9)).

Er verbrachte seine Kindheit in Vermont und absolvierte an der dortigen Universität sein Studium. Daraufhin lehrte er kurz an einer High School und erwarb anschließend an der Johns Hopkins University, der ersten "professional graduate school" der Nation, seinen Ph.D. (1884). John Dewey unterrichtete an verschiedenen Universitäten (University of Minnessota, University of Michigan, University of Chicago und University of Columbia) und entwickelte im Rahmen seiner Lehrtätigkeit eine eigene Vorstellung von Erziehung. (Vgl. [16] S. 3 und [J])

John Dewey. Quelle: http://www.my-ecoach.com/idtimeline/theory/dewey.htmlErziehungsvorstellungen:
Die als progressiv bezeichneten Ideen Deweys waren beeinflusst von Charles Darwin (Evolutionstheorie) und den Psychologen G. Stanley Hall und Edward L. Thondike. Seine Ideen gründeten außerdem auf den philosophischen Grundlagen des amerikanischen Pragmatismus, dem Instrumentalismus, dem Experimentalismus, dem Behaviorismus und einem eher dem 18. Jahrhundert eigenen Glauben an Fortschritt.

Seine progressive Methode basiert auf der Ansicht, "(...) dass Kinder aktive organische Geschöpfe sind, die wachsen und sich verändern und dass sie eine Art des Lernens benötigen, die auf ihren Entwicklungsstand abgestimmt ist." ([15] S. 6) John Dewey kritisiert heftig die damalige Praxis der "formal school", die sich "(...) darauf beschränkt, Wissen als wissenswert zu deklarieren, und den Schüler nicht dorthin führt, die Bedeutung dieses "Wissens" als Instrument in Anwendungszusammenhängen zu erfahren." ([7] S. 127)

Er versuchte, mit seinen Ideen auf eine Wende in der Schulpraxis hinzuarbeiten. Eine Einsicht des Kindes soll nach Dewey nicht das Ergebnis einer reinen Wissensvermittlung sein, sondern soll sich vielmehr durch das aktive Auseinandersetzen mit einer Sache entwickeln. Die Schulmethoden müssen daher verändert werden von einem Fokussieren auf das Behalten und Auswendiglernen hin zu aktivem, auf Erfahrung begründeten Lernen. Diese Einstellung, dass sich Ziele nicht mehr durch die reine Vermittlung eines Bildungsinhalts erreichen lassen, werden u.a. auch von Kilpatrick, Parkhurst und Washburne befürwortet. (Vgl. [10] S. 53 und [16] S. 1)

Dewey löste mit seinen Erziehungsvorstellungen eine Bewegung aus, die die Kinder in den Mittelpuntk des Lernprozesses stellte und das Lernen bedeutungsvoll machte, da es an den Bedürfnissen und Interessen der Lernenden orientiert war. Seine Methode wird daher als "child-centered" (kindzentriert) - im Gegensatz zu fachzentriert - bezeichnet. Trotzdem fordert auch Dewey einen Lehrplan, der aber sorgfältig entwickelt werden muss, damit die Lehrer flexibel reagieren und auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder eingehen können. (Vgl. [16] S. 1 und 7)

Hierin zeigt sich auch schon eine neue Sicht des Lehrers. Da sich das Kind aktiv mit seiner Umwelt auseinandersetzen soll, kann der Lehrer nicht mehr als reiner Wissensvermittler agieren. Vielmehr muss er vermitteln zwischen der Gegenstandswelt und dem Kind. Hierbei orientiert sich Dewey am sogenannten "sokratischen Dialog" als pädagogisches Verfahren. Dies ermöglicht - richtig eingesetzt - den Wisenserwerb im Gegensatz zur traditionell angewandten Methode der reinen Wissensvermittlung. (Vgl. [8] S. 39f) Man kann also sagen, dass der Eintrichterung von Wissen und dem Lernen aus Büchern die Eigenerfahrung gegenübersteht und der von außen auferlegten Disziplin eine freie Aktivität.

Das Ziel von Dewey ist dabei nicht, auf eine mehr oder weniger ferne Zukunft vorzubereiten, sondern das Beste aus der Gegenwart zu machen (Denn: Welche Fähigkeiten braucht ein Kind in der Zukunft? Worauf soll man es also vorbereiten?). Um die Schüler zu befähigen, sich in einer Welt zurechtzufinden, die sich fortlaufend ändert, lehnt Dewey es ab, mit starren Zielen und Materialien zu operieren. (Vgl. [7] S. 126)

Deweys Motivation zur Entwicklung einer neuen Methode war jedoch nicht nur das Kind, sondern auch die Gesellschaft in der er lebte. Sein fernes Ziel war, eine bessere Gesellschaft zu erbauen. Dies kann man seiner Meinung nach aber nur erreichen, wenn man davon abkommt, die Kinder darauf vorzubereiten, sich an die bestehenden Bedingungen anzupassen, anstatt ihnen Entscheidungsfreiraum, eigene Ideen und Verantwortung zuzugestehen. (Vgl. [16] S. 11) "For we live not in a settled an finished world, but in one which is going on [...]." (Dewey zit.n.[7] S. 127)

Dewey glaubte, dass die Schule sich einerseits an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder orientieren müsse und andererseits die Aufgabe hat, sie auf ein demokratisches, soziales Leben vorzubereiten. Dazu ist sie gefordert, eine Balance zwischen den Bedürfnissen der Individuen und denen der Gesellschaft zu finden. Die Schule soll zu diesem Zweck für Dewey organisiert sein als "Mini-Gesellschaft" ("embryonic community") (Vgl. [15] S. 6f und [16] s. 6f), in der sich die Kinder die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse durch Erfahrung und eigenes Erleben aneignen können, die für sie von Bedeutung sind, um als aktive, demokratische Bürger verantwortungsvoll handeln zu können. Dies können sie nur durch eine aktive, handelnde Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung erreichen.

Deweys Laboratory School:
John Dewey. Quelle: http://www.lweb.tc.columbia.edu/cs/sc/Exhibits/China/photogallery.htmlKurz nach seiner Ankunft in Chicago eröffnete John Dewey die "Laboratory School", die an die University of Chicago angegliedert war. Hier wollte er seine Ideen über Erziehung und seine Vorstellungen von einer progressiven Schule - die er mit führenden Reformpädagogen wie z.B. Francis W. Parker teilte - austesten und weiterentwickeln.

Die Laboratory School sollte ein Modell für eine demokratische Erziehung schaffen, in der die Schüler grundlegende Fächer nach einem integrierten Lehrplan lernten. Sie konnten ihre Fähigkeiten experimentell lernen, sie konnten eigene Erfahrungen machen, sie konnten sich aber auch durch Bücher Wissen aneignen. Im allgemeinen legte Dewey besonderen Wert auf Gruppenarbeit, denn nur so würden die Kinder zu gemeinschaftlicher Arbeit in einer demokratischen Gesellschaft befähigt. Seine Schule war daher eher gruppenorientiert, als darauf bedacht, die individuelle intellektuelle Entwicklung zu betonen. (Vgl. [15] S. 6 und 359)

Sein Werk The School and Society enthält die grundlegenden Prinzipien der neuen Erziehung, die hier als Zusammenfassung der Dewey'schen Ideen dienen sollen(Vgl. [16] S. 5ff):John Dewey. Quelle: http://www.columbia.edu/cu/record/23/02/24.html

  1. Das Kind soll als ganzer Organismus gesehen werden, und nicht nur auf einen Teil (den Geist) reduziert werden. Die Schule muss erkennen, dass die Pflege der anderen Teile (Körper, Seele) genauso wichtig sind, wie die Entwicklung des Geistes. Dies bein-haltet auch die Erkenntnis, dass nicht alle Kinder in gleicher Weise und in der gleichen Zeit lernen. Individuelle Lernunterschiede werden respektiert und zugelassen.
  2. Ein Kind ist für Dewey ein Individuum, das mit einer Reihe von Eigenschaften ausgestattet ist, und diese in die Schle mitbringt: Interesse an Kommunikation, am Herausfinden von Dingen und am Herstellen von Sachen. Diese "natürlichen Ressourcen" sollten in der Schule beachtet und gefördert werden. Ein Kind ist interessiert an konkreten Dingen; die progressiven Schulen sa-hen daher das Lernen als ein Ergebnis von Aktivitäten, die die natürlichen Interssen der Kinder in den Lernprozess miteinbezogen. Dies hieß für Dewey aber nicht, dass der Lehrer aus dem Lerhprozess ausgenommen wird und der Natur ihren freien Lauf lässt; vielmehr muss er die Kinder bei ihren eigenen Erfahrungen dirigieren.
  3. Auch wenn das Ziel das Wachstum des Einzelnen war, so war es doch untergeordnet unter dem größeren Ziel, dem Wohl der Gemeinschaft. Das Ideal der Gemeinschaft bestimmt Deweys erzieherische Gedanken. Er betont wiederholt, dass die Schule eine "embryonic community" sein solle. "When the school introduces and trains each child into membership within such a little community, saturating him with the spirit of service, and providing him with the instruments of effective self-direction, we shall have the deepest and best guaranty of a larger society which is worthy, lovely, and harmonious." (Dewey zit. n. [16] S. 6f)

Die Schule war für Dewey der Schlüssel zu einer Gesellschaftsreform.

Veröffentlichungen:
My pedagogic Creed (1897)
The School and Society (1899)
How we Think (1910)
Schools of Tomorrow (1915)
Democracy and Education (1916)
Experience and Education (1938)