William Heard Kilpatrick (1871-1965)

home

"the child must for us come before the subject matter as such" (Kilpatrick zit. n. [16] S. 14)

William H. Kilpatrick. Quelle: http://www.lweb.tc.columbia.edu/cs/sc/Exhibits/China/photogallery.htmlBiographisches:
Nach Kilpatricks Abschluss an der Mercer University in Macon/Georgia, studierte er zusätzlich an der Johns Hopkins University, bevor er seine erste Stelle als Lehrer und Konrektor einer Grundschule antrat. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keinerlei pädagogische Ausbildung; daher besuchte er parallel zu seiner Lehrertätigkeit verschiedene Sommerkurse in Pädagogik und kam so mit den Ideen Pestalozzis in Berührung.

Er überdachte seine Vorstellung, dass der Schlüssel zum Lernen in der Beherrschung von Buchwissen, in unverbundenen Unterrichtsstunden und in Prüfungen lag. Wichtiger waren ihm nun aussagekräftige, interessante Erfahrungen, in denen man Verantwortung entwickeln kann.

1896 trat er, nach einem weiteren Studienjahr an der Johns Hopkins, eine Stelle als Direktor einer Grundschule in Savannah/Georgia an. Hier versuchte er, erste Veränderungen in der Schulpraxis durchzusetzen und schaffte zunächst die Zeugnisse ab. Die Eltern erhielten lediglich eine Information über Abwesenheiten und Verspätungen, nicht jedoch über die Leistungen der Schüler. (Vgl. [1]) Schon 1897 verließ er diese Schule wieder, um eine Professur in Mathematik und Astronomie an der Mercer University zu übernehmen, deren Präsident er in den Jahren 1903-1905 war.

Kilpatrick gilt als der bekannteste und beste amerikanische progressive Lehrer von Lehrern.Er wurde in den 30er Jahren mit Progressive Education praktisch gleichgesetzt. (Vgl. [16] S. 14) Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er eine Vielzahl von Büchern. Das in diesem Zusammenhang wichtigste Werk ist sein Aufsatz The Project Method (1918) in dem er seine Projektmethode darlegt.

Erziehungsvorstellungen:William H. Kilpatrick. Quelle: http://tarver.mercer.edu/special_collections/MercerPresidents/default.htm
Seine Vorstellung über Erziehung überdachte er erstmals, nachdem er Origin of Species von Charles Darwin gelesen hatte. Darüber schreibt er:
"The more I read the more I believed it and in the end I accepted it fully. This meant a complete reorganization, a com-plete rejection of my previous religious training and philosophy. By accepting Darwin's Origin of species, I rejected the whole concept of the immortal soul; of life beyond death, of the whole dogma of religious ritual connected with the worship of God." (Tenenbaub zit. n. [1])

Auch die Ideen Parkers wirkten sich auf seine Methode aus. Für ihn war Parker "(...) the greatest man we had to introduce better practices into the country's schools." (Tenenbaub zit. n. [1]) Er nahm - nach Kilpatrick - Pestalozzis Ideen, verbesserte sie und brachte sie vorwärts.

Den entscheidenden Einfluss übte aber wohl Charles de Garmo auf ihn aus, dessen Ideen er 1900 kennenlernte. Begeistert durch dessen Ansichten schrieb er: "(...) it showed me that there was no conflict between interest and effort, that they were not divergent forces but that they were inexticably allied; that effort follows interest. In other words, the more an individual becomes interested in some-thing, the more effort he will put into it." (Tenenbaub zit. n. [1]) Kilpatrick erkannte hierdurch die Schlüsselrolle von Interesse im Lehr-Lern-Prozess. Er suchte von nun an einen Weg, Lernen und Leben zu vereinigen und die Art der öffentlichen Schulen zu verändern.

Ein großer Schritt in diese Richtung war die Ansicht, dass ein Lehrer seine Schüler dort abholen sollte, wo sie sind, und dass Schüler und Lehrer auf der gleichen Seite stehen sollten. Für ihn waren Schüler autonome, selbstbestimmte Menschen und die Liebe zu den Kindern ist nach Kilpatrick die wichtigste Eigenschaft eines Lehrers. John Dewey dagegen vertrat damals noch die Ansicht, ein Lehrer sollte zu allererst Fachwissen nachweisen können. (Vgl. [1]) Kinder sollten nach Kilpatrick in den Lernprozess, in den Vorgang des Verstehens aktiv einbezogen und so fähig werden, in der Welt, in der sie leben, zu handeln. Sein Ziel war es, gut angepasste Bürger für eine demokratische Gesellschaft zu entwickeln. Und wenn eine Demokratie in der Gesellschaft herrschen soll, müssen die Kinder demokratische Verhaltensweisen lernen und üben. Sie müssen die Demokratie im Elternhaus, in der Schule und in der Gemeinde leben - nur so können sie sie lernen. (Vgl. [8] S. 64)

Sein Hauptziel lässt sich daran anschließend als "Erziehung zur Demokratie" formulieren. Als Teilziele nennt Kilpatrick die aufgeschlossene Selbstgestaltung, die gegenseitige Rücksichtnahme auf die Rechte der anderen, die Übernahme gegenseitiger Verantwortung für das Allgemeinwohl, Erziehung zur Urteils- und Kritikfähigkeit und Erziehung zur Selbstständigkeit. (Vgl. [8] S. 115) Als pädagogisches Grundprinzip sieht er dabei den Bezug zum Leben: es wird nur das wirksam gelernt, was Bezug zum eigenen Leben hat und es auch gestaltend beeinflusst.

Diese Ziele verfolgend und das Grundprinzip beachtend, war eine Umstrukturierung des Schulsystems in organisatorischer oder räumlicher Hinsicht jedoch nicht erforderlich. Vielmehr galt es, die Didaktik und Methodik zu verändern. (Vgl. [8] S. 108) Kilpatrick führte hierzu die sogenannte Projektmethode ein, welche auch seine wichtigste Errungenschaft darstellt.

Veröffentlichungen:
The Project Method (1918)